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Interview mit Yavuz Ekinci – (Spiegel Online)

„Ich will nichts produzieren, was von mir – in Klammern: als kurdischer Autor – erwartet wird. Aus guten Intentionen entstehen meist schlechte Texte“, sagt Yavuz Ekinci, der seinen Roman „Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam“ um ein von ihm erfundenes kurdisches Märchen strickt. „Ich glaube aber, ganz nach Ibn Chaldun, dem mittelalterlichen Gesellschaftswissenschaftler, dass Geografie Schicksal ist und das Leben eines Menschen geprägt wird von der Region, in der er lebt. Das versuche ich bewusst zu machen. Als Kurde in der Türkei ist Ihre ganze Existenz per se politisch. Auch wenn ich kein Autor wäre.“

Vor allem aber ist Ekinci ein großer Leser, er ließ sich sogar die Nobelpreisreden von Coetzee, Samarago und Márquez ins Türkische übersetzen. Ein Element seines Romans erinnerte daher auch an einen anderen Text:

Ein Dorf, das voller Vorahnung wartet, dass Fremde kommen, die alles ausradieren: Das erinnert stark an „Warten auf die Barbaren“ des Literaturnobelpreisträgers J.M. Coetzee. Kennen Sie den Roman?
Ekinci:
Ich schätze ihn sehr. Das Gedicht „Warten auf die Barbaren“ von Konstantinos Kavafis, das Coetzee zitiert, ist sehr wichtig für mich. Darin warten die Griechen auf die Perser, die ihr Land vernichten wollen. Diese Situation durchzieht die Menschheitsgeschichte. Beim Schreiben hatte ich, wie alle Schriftsteller, ein paar Polarsterne, die mir den Weg geleuchtet haben: Neben Kavafis und Coetzee vor allem „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett und Kafkas Geschichte „Der Bau“, in dem ein Maulwurf dauernd versucht, Löcher mit Erde zu stopfen, damit keiner reinkommt. Ich glaube ja, wir erschaffen keine neuen Texte, sondern führen nur weiter, was wir gelesen haben.

Das ganze Interview steht hier.