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Interview-Magazin – (Spiegel Online)

Die erste Ausgabe des deutschen „Interview“-Magazins ist erschienen. Das Original gründete Allrounder Andy Warhol 1969. Das Prinzip damals wie heute: „Persönlichkeiten“ unterhalten sich mit anderen „Persönlichkeiten“. Und langweilig wird das nicht.

Hier steht der Text über „Interview“ No. 1.

Ach, mir ist da übrigens noch was aufgefallen …

Irgendwie drängt sich der Eindruck auf, dass das Magazin auch als redaktionelle Institution eine neue Bewegung in Berlin abbildet: Eben dem Zeitgeiststrom entgegengesetzt, in diesem Falle gen West-Berlin der Achtziger Jahre, das Leonard Cohen einst besang.
Man muss diese Differenz kurz veranschaulichen: Joerg Koch residiert als Chefredakteur der internationalen, avantgardistischen Magazinbibel „032c“ im wohl spannendsten Gebäude der ganzen Stadt, im von matten Kunststoffpaneelen geprägten Brandlhuber-Haus in Mitte; direkt neben dem Haus, das die Werbeagentur Jung von Matt mit dem fassadenfüllenden Satz „Dieses Haus stand früher in einem anderen Land“ in ein Denkmal verwandelt hat. Hier lösen Galerien und Designer-Showrooms und Concept-Stores, wie das hier heißt, im Monatsrhythmus die letzten Blumenverkäufer, Änderungsschneider, Gemüseläden ab. In einem Radius von etwa 500 bis 1000 Meter hängt die Fashion Crowd ab, es ist alles immer noch rough genug und etwas angesifft, dieses Image wird hier penibel konserviert.
Und dann ist da der „Interview“-Chefredakteur Joerg Koch, den man in der „Interview“-Redaktion in der Mommsenstraße erreicht: tiefstes Charlottenburg, City West, konservierte BRD der Achtziger Jahre, mit elfenbeinschimmernden Stuckdecken, glänzenden Doppelflügeltüren, die ballsaalgleiche Räume miteinander verbinden, versehen mit Fischgrätparkett. Dass direkt um die Ecke am Ku’damm vor kurzem die Berliner Dépendance des eklektischen „Taschen“-Verlags installiert wurde, in ebenso hochherrschaftlichen Ausmaßen, passt dazu. Mal sehen, ob daraus eine neue Welle wird.

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